Parallelgeschichten zu Krabat Klasse 6b Juni 2019

Hier stellen wir zwei sehr gelungene Aufsätze zweier Schülerinnen aus der Klasse 6b vor. Es handelt sich nicht um Musterlösungen, sondern um Erzählungen, die im Rahmen einer Schulaufgabe geschrieben wurden.

 

 

Die Enttäuschung

 

„Ich habe dich gesucht. Folge mit bitte in die Mehlkammer“, flüsterte er. Krabat sah ihn verwundert an. Als der Meister die Mehlstube betreten hatte, drehte er sich zu Krabat um und blickte ihn mit funkelnden Augen an. „Du hättest das Zeug dazu! Ja, du könntest es machen!“, flüsterte der Meister. Da lag doch etwas Bedrohliches in seiner Stimme oder etwas nicht? Krabat wollte herausfinden, was der Meister von ihm wollte, deshalb fragte er: „ Wie meinst du das? Ich hätte das Zeug wozu? Was könnte ich machen? Ich verstehe das nicht, was du mir damit sagen willst.“ „ Nun ja, du könntest der neue Meister von dieser Mühle sein. Du würdest alles bekommen, was jetzt auf der Mühle ist, auch den Konrektor. Du könntest anderen Jungen das Zaubern lehren. Du könntest hier machen, was du willst, du könntest...“. Der Meister sprach so viel, dass Krabat gar nicht mitkam. Neuer Meister sein? Die Mühle haben? Der Konrektor würde ihm gehören? Fragen und Fragen schwirrten ihm durch den Kopf. „ Und nach 14 oder 15 Jahren, wenn du es satt hast, suchst du dir einen guten Schüler aus, den du dann zum Nachfolger der Mühle machst. Es ist ein herrliches Leben, wenn man zaubern kann!“, faselte der Meister. „Äh ja, und was ist, wenn ich es nicht will? Was passiert dann?“, fragte Krabat den Meister. Dieser sah ihn überrascht an. „Wenn du .... nicht willst? Also, wenn du nicht willst, dann... musst du sterben.“ Er schien nervös zu sein. Aber Krabat hatte verstanden, dass es bei seiner Antwort um Leben und Tod ging, dass der Meister keine Scherze machte. „Ich werde es mir überlegen. Ich glaube, dass ich lieber eine Nacht darüber schlafen werde“, sagte Krabat. Der Meister nickte. Krabat trat aus der Türschwelle heraus und ging hinter den Schuppen. Er versuchte , seine Gedanken zu ordnen, was bei der Kälte nicht allzu schwer war. Dass der Meister ihn auf die Probe stellte, war offensichtlich. Aber was sollte er nur sagen? Bei „nein“, das wusste er, musste er sterben. Und bei „ja“ würde er sich dem Bösen ergeben, was auch nicht besser war. Wie aus heiterem Himmel kam Juro vorbei mit einer großen flauschigen Decke und fragte Krabat, ob er sich setzen durfte. „Natürlich darfst du dich setzen“, sagte Krabat. Juro breitete die Decke auf dem Boden aus und setzte sich darauf. Mit einer Handbewegung bot er jetzt Krabat an, sich zu setzen. Krabat sah verwundert aus, kam aber auch auf die Decke. Juro stand noch einmal auf und zeichnete in den Schnee einen Kreis, der mit drei Kreuzen und einem Drudenfuß versehen war. Der Kreis zog sich um die ganze Decke und als Juro mit seinem Werk fertig war, fühlte sich Krabat nicht mehr beobachtet. „Was ist das Problem? Du siehst nicht glücklich aus, “ wunderte sich Juro. „Ja, das stimmt. Ich habe Sorgen und ich will sie gerne mit dir teilen. Aber nur unter einer Bedingung: Du darfst es niemandem sagen!“, stieß Krabat hervor. „ Darauf hast du mein Ehrenwort“, versicherte Juro. Daraufhin erzählte Krabat ihm alles, von seinen Sorgen um sein Leben und das der Kantorka, einfach alles. Als er fertig war, stand Juro auf und legte seine rechte Hand auf Krabats linke Schulter und sagte ihm, er müsse es erst einmal verarbeiten. Für Krabat war das gut. Juro packte die Decke zusammen und verwischte mit seinem Fuß den Zauberkreis. Krabat blieb allein zurück.

Er hatte nachgedacht. Ja, er würde „ ja“ sagen. Aber er hatte einen Plan. Den berichtete er Juro, als dieser ihm über den Weg lief, natürlich nicht ohne Zauberkreis. Juro sah ihn begeistert an. „Das ist eine tolle Idee! Damit überlistest du ihn bestimmt!“ „Ja, aber ich muss aufpassen, dass er nicht merkt“, dachte Krabat laut. „Ja, das musst du wohl“, riet ihm Juro.

Am nächsten Freitag blieb er nach dem Unterricht in der schwarzen Schule noch im Raum und wartete, bis alle draußen waren. Als Hanzo hinter sich die Tür schloss, sagte Krabat laut und deutlich: „ Ja!“ Der Meister drehte sich um und lächelte ihn an, was schrecklich aussah.

Am nächsten Tag war der Meister nicht da. Das blieb er auch weiterhin und alle fragten sich, wo er wohl sei, bis Lobosch einen Zettel fand, auf dem nur das Wort „Krabat“ stand.

„ Hä, was ist denn mit Krabat“, dachte Lobosch. „Mit mir?“, fragte Krabat „Ja, ich weiß es, danke Lobosch, bedankte sich Krabat, nachdem ihm Lobosch den Zettel gebracht hatte. Krabat war froh, dass der Meister den Plan nicht bemerkt hatte und tatsächlich weggegangen was. Nachdem Krabat Juro aufgesucht hatte, erzählte er ihm sofort die Neuigkeit und bat ihn, ein großes Festmahl zu kochen. Juro nickte, während er grinste. Als Krabat alle Müllerburschen versammelt hatte, erklärte er feierlich, was Sache war. „Liebe Mitgesellen! Danke, dass ihr gekommen seid. Ich weiß, dass ihr euch fragt, wo der Müller geblieben ist. Aber eines kann ich euch sagen. Der Müller steht vor euch, weil der Meister mich zum neuen Meister gemacht hat. Ich bin jetzt sein Nachfolger und das wollen wir erst einmal feiern“, sagte Krabat mit einem feierlichen Unterton. Die Gesellen versuchten ihn zu verstehen und glücklich zu klingen, was ihnen nicht gelang. „ Hahaha!“, lachte Krabat. „Ich wollte nie Meister sein und ich bin es auch jetzt nicht! Ich habe den Meister nur hineingelegt. Ich spiele ihm vor, dass ich richtig gerne Meister wäre, aber jetzt werde ich es euch einfach sagen: Geht hinaus und sucht euch einen guten Platz, denn ich als Meister versichere euch, dass ihr frei leben dürft und ein tolles Leben haben könnt. Der Bund der geheimen Brüderschaft wird hiermit aufgelöst!“, rief er. Die Mühlknappen verstanden immer noch nicht, dass sie von ihrem Müllerleben freigesprochen waren. Doch als Krabat es immer wieder wiederholte, sickerte es langsam in ihr Bewusstsein und sie liefen die Treppe hinauf in den Heuboden. Nach ein paar Minuten kamen sie grölend die Treppe hinuntergestürmt mit all ihren Sachen. Juro sah aus der Küche hinaus und fragte Krabat, was er auftischen sollte. Er wurde ausgelacht und mitgezerrt. Das Essen sollte verschimmeln, die Müllerzeit war abgelaufen! Er schlug vor Freude Purzelbäume und rannte schließlich nach draußen in Richtung Schwarzkolm. Und es heißt, dass die Burschen beste Freunde geblieben sind und sich ein schönes Leben gemacht haben. Der Meister war an Altersschwäche gestorben, doch vermisste ihn niemand.

 

Carina Bertl, 6b


 


 

Flucht im Schnee

 

Es war Mitternacht. Der Mond schien durch die Dachluke in die Kammer der Mühlknappen. Krabat lag schon seit längerem wach, er konnte nicht einschlafen. Zu viele Gedanken kreisten ihm durch den Kopf. Da hörte er auf einmal leise Schritte und sah, wie eine Gestalt durch das Zimmer huschte und die Stiege hinunterkletterte. Das war Michal! Was hatte er mitten in der Nacht vor, warum schlief er nicht? Aufgeregt sprang Krabat auf und folgte ihm.

Zuerst vermutete er, dass Michal sich aus der Küche etwas zu essen stehlen wollte. Doch er ging an der Tür vorbei. Michal schlich leise wie ein Eichkätzchen zur Hintertür.

Was, um Hergottswillen, wollte er mitten im Winter draußen? Krabat überlegte. Sollte er Michal folgen? Und wenn ja, würde er es überleben? Der Meister sah es nicht gerne, wenn die Mühlgesellen nachts draußen herumschlichen. Aber er wollte seinen Freund nicht im Stich lassen. Wo war er denn gerade überhaupt? Aber Michal hatte sich nur gebückt, um etwas unter einer Bodendiele hervorzuziehen . Zuerst erkannte Krabat nicht, was es war. Sein Freund öffnete leise die Hintertür und stahl sich hinaus. „Soll ich ihm wirklich folgen? ich muss nicht, wenn ich nicht will. Doch was wäre ich dann für ein Freund?“

Krabat gab sich einen Ruck und schlich ebenfalls zur Tür hinaus. Es war klirrend kalt. Zuerst war er wie gelähmt. Dies war schon recht ungemütlich , doch jetzt schmerzte die extreme Kälte. Sie schnürte ihm den Hals zu. Und plötzlich wusste Krabat, was das gewesen war.

Michal hatte einen Mantel unter der Bodendiele hervorgezogen. Einen langen, pelzigen und warmen Mantel. Die Chancen um Michal standen gut. Doch Krabat wusste nicht, wie lange er es in dieser Kälte überleben würde. Zudem war es stockfinster. Eigentlich war Vollmond und er hätte gut wehen müssen, doch es war stark bewölkt. Krabat brauchte dringend eine Laterne und einen Mantel. Er schlich sich zurück in die Mühle. Denn er wusste, daß in der Küche ein Mantel lag und eine Laterne bereitstand. Weil er schon mal dort war, schob er gleich noch ein Stück Speck ein.

Dann stahl er sich durch die Hintertür hinaus. Es war trotzdem kalt, denn der Mantel war dünn.

er war nicht aus Pelz, sondern gestrickt. Aber es war besser als ohne.

Im Schnee konnte Krabat Michals Spuren gut erkennen und folgte ihnen. Zuerst war es schwer, weil er noch zu nah an der Mühle war um die Laterne anzuzünden . Doch sobald er im Schutz der Bäume war, ließ er sie, mit Hilfe eines kleinen Zauberspruchs, leuchten.

„Schnell“, dachte er, „wenn du alleine bist, bist du ein leichtes Opfer für wilde Tiere“.

Das stimmte, obwohl er zaubern konnte, waren Wölfe im Rudel gefährlich für ihn.

Plötzlich stieß Krabat gegen irgendetwas. Dieses etwas drehte sich zu ihm um. „Krabat, was machst du denn hier?“, flüsterte Michal. Der Schreck saß ihm noch in den Knochen. Dennoch wisperte er: „Dasselbe könnte ich dich auch fragen!“ Michal seufzte. „Na gut, ich erkläre es dir. Der Meister rechnet nicht damit, daß wir ihm im Winter weglaufen würden. Seit Jahren plane ich es. Verstehst du, Krabat?“ Krabat nickte. „Hast du noch kein einäugiges Tier gesehen?“. „Nein, aber zu zweit müssen wir noch besser aufpassen“. Zusammen schlichen sie weiter.

Irgendwann verschwanden die Wolken und Michal blies die Lampe aus.

Irgendwann hörten sie das Heulen von Wölfen.

Irgendwann verdeckten Wolken den Vollmond und Michal machte die Laterne an. Und beide waren sie still.

Plötzlich stolperte Krabat und fiel in den Schnee.

Er schrie laut auf, denn er war über eine Wurzel gestolpert und hatte sich das Knie gestoßen. „Pst!“ machte Michal ermahnend. Krabat stand auf. Durch die Kälte wurde der Schmerz verstärkt. Er konnte sich kaum rühren. Doch Michal zog ihn weiter. Plötzlich entdeckte Krabat einen Uhu auf einem Ast. Das rechte Auge fehlte ihm. Es lief ihm eiskalt den Rücken hinunter. Der Meister war also hier. Nicht viel später sah Michal ein Rothörnchen. Das rechte Auge fehlte ihm. Krabat schlich langsam weiter durch den stockfinsteren Wald. Michal folgte ihm. Plötzlich schoss aus einem Gebüsch ein dunkelgrauer Wolf. Sein Fell war zerzaust, sein linkes Auge leuchtete giftgelb. Das rechte fehlte ihm. Der Wolf rannte zähnefletschend auf die beiden Jungen zu. Krabat stand wie gelähmt da. Er sah den Wolf, der mit einem blitzenden Auge auf ihn zustürmte, er hörte Michals Stimme, die verzweifelt schrie: „Krabat, komm! Lauf, lauf weg! Schnell!“ Doch er bewegte sich nicht. er sah Michals verzweifelten Blick, als er sich umdrehte und davonstürzte, sah die riesengroßen Zähne des Wolfes, der immer näher kam und er hörte den Meister in seinem Kopf:“ Krabat, ich habe gewonnen!“. Der Wolf war bei ihm angekommen und wollte gerade seine Zähne in sein Fleisch schlagen, da hob ihn ein Adler in die Lüfte. Groß war er, gewaltig und schön. Dann wurde alles schwarz.

„Krabat“, hörte er eine Stimme, „Krabat!“ langsam öffnete er die Augen. Er sah all seine Freunde um sich herum. Sie machten besorgte Gesichter und Krabat hatte schreckliche Kopfschmerzen. „Bin ich tot?“ fragte er. „Dank Michal nicht“, sagte Tonda. „Du warst einfach nur unterkühlt“, erklärte Juro und reichte ihm eine Tasse heißes Wasser. „Wenn du dich ordentlich aufwärmst, wird es dir bald besser gehen“, tröstete Andrusch.

„Und der Meister?“, fragte Krabat. „Mach dir keine Sorgen, wir regeln das schon“, meinte Tonda.

„Danke“ , sagte Krabat, „danke“.

 

 

Amelie Huber, 6b