Überschrift_150_Angebot

 

 

Mittelstufe Plus: „Gut Ding will Weile haben“

Das Karlsgymnasium ist eine von 47 Pilotschulen für diesen Schulversuch, der auf äußerst hohes Interesse stieß.

 

Allgemeine Rahmenbedingungen zur Mittelstufe Plus:

In der Mittelstufe Plus werden die Jahrgangsstufen 8 bis 10 des G8 in vier Jahren durchlaufen. Zwischen die Jahrgangsstufen 9 und 10 wird die Jahrgangsstufe 9+ „eingeschoben“. Die Gymnasialzeit beträgt dann i.d.R. neun Jahre. Ziel ist eine zeitliche Entlastung und eine zusätzliche Förderung der Schüler/innen durch ein weiteres, im Klassenverband zu durchlaufendes Lernjahr. Diesem Grundgedanken wird auch die Stundentafel Rechnung tragen. Kernfächer werden in der Mittelstufe Plus durchgehend vierjährig unterrichtet und i.d.R. mit insgesamt drei zusätzlichen Wochenstunden ausgestattet. So kann der Stoff - soweit schulorganisatorisch möglich - von drei auf vier Jahre gedehnt werden; es kommt zu einer spürbaren Entschleunigung des Lernens.

Durch Verlagerung einzelner Nichtkernfächer aus den Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 in die Jahrgangsstufe 9+ kommt es zu einer Reduzierung der Fächer- und Stundenzahl pro Jahrgangsstufe. Werden im G8-Regelzug zwischen 34 und 36 Wochenstunden Fachunterricht erteilt, sind es in der Mittelstufe Plus lediglich 30 (bzw. 32 in Jahrgangsstufe 10; s.u.), die Entlastung beträgt also zwischen zwei und vier Wochenstunden. Bezieht man die in der Stundentafel des G8-Regel­zugs ausgewiesenen fünf flexiblen Intensivierungsstunden (GSO Anlage 2, Fußn. 16) mit ein, ergibt sich eine rechnerische Entlastung von bis zu sechs Wochenstunden pro Jahrgangsstufe. Lediglich in Jahrgangsstufe 10 ist verpflichtender Nachmittagsunterricht vorgesehen. Dies ist als Vorbereitung auf die Qualifikationsphase pädagogisch sinnvoll. Insgesamt erhalten die Schüler/innen der Mittelstufe Plus durch das Zusatzjahr zusätzliche Förderung im Umfang von ca. 17 Wochenstunden gegenüber dem G8-Regelzug. Weitere (nicht verpflichtend zu belegende) Förderstunden bieten in der Mittelstufe Plus zusätzliche Gelegenheit zur vertieften individuellen Förderung. So haben wir am Karlsgymnasium in der derzeitigen 8. Jahrgangsstufe in jeder Mittelstufe-Plus-Klasse speziell für Leistungsschwächere eine Förderstunde in Mathematik eingerichtet.

 

Für das Karlsgymnasium gilt ferner: Der Pflichtunterricht der Mittelstufe Plus - ohne Wahl- und För­derunterricht - endet in den Klassen 8, 9 und 9+ spätestens um 12.45 Uhr. Erst in Jahrgangsstufe 10 sind zwei Pflichtunterrichtsstunden pro Woche am Nachmittag nötig.

Im „reinen“ G8 fallen am Karlsgymnasium unter Einbezug der verpflichtenden flexiblen Intensivierungsstunden in der 8 Jahrgangsstufe 34, in der 9. Jahrgangsstufe 35 und in der 10. Jahrgangsstufe 36 (evtl. sogar 37) Pflichtstunden pro Woche an - wieder ohne Wahl- und Förderunterricht. 30 Stunden lassen sich von Montag bis Freitag bis 12.45 Uhr einrichten. Der Rest fällt auf den Nachmittag. Der Unterricht am Karlsgymnasium schließt, wie bekannt, im G8 zwischen 14.00 und 15.30 Uhr.

 

Pro- und Contra-Argumente für „reines“ G8 wie für Mittelstufe Plus gibt es in großer Zahl, man kann jedem Pro ein Contra entgegenstellen und umgekehrt. Wir wollen Ihnen eine kleine Auflistung für Ihre Überlegungen unterbreiten, die keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

 

Zum G8: Das G8 ist nun seit zehn Jahren eingeführt, Abiturerfahrung liegt seit 4 Jahren vor. Niemand kann nach den bisherigen Ergebnissen behaupten, das G8 wäre nicht zu schaffen. Abiturienten/innen des G8 sind im Vergleich zum G9 ein Jahr jünger. Nach Wegfall der Wehrpflicht können die Männer mit dem Studium sogar zwei Jahre früher beginnen. Dies stärkt die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich. Die Kinder sind früher „aus dem Haus“ und treten früher ins Berufsleben ein, mit deshalb evtl. höheren Chancen. Sie zahlen früher Steuern und Beiträge in die Renten- und Sozialversicherungskassen. Der im Vergleich höhere Leistungsdruck im G8 zusammen mit dem deutlich längeren Nachmittagsunterricht bereitet gut auf den Leistungsdruck in Studium und Beruf vor …

 

Zur Mittelstufe Plus: „Gut Ding will Weile haben“ (J. W. v. Goethe, Wilhelm Meister)! So lässt sich die Argumentation für Mittelstufe Plus zusammenfassen. Bildung muss sich bilden können, durch vielfache Vernetzung von Fähigkeiten, Wissen und Fertigkeiten. Vernetzung erfordert variantenreiches Üben und Trainieren, braucht also vor allem Zeit.

Die Streckung der Mittelstufe von drei auf vier Jahre bietet wesentlich mehr Übungs- und Trainingsmöglichkeiten im (Vormittags-)Unterricht, bei (fast) völligem Wegfallen des Pflichtunterrichts am Nachmittag. Am Nachmittag können nicht nur Hausaufgaben zu einem relativ günstigen Zeitpunkt erledigt werden - nach ausreichender Pause erreichen wir unser zweites Leistungsmaximum um ca. 15.00 Uhr. Es bleibt auch reichlich Zeit für Wahlunterricht - gerade hier scheut das Karlsgymnasium ja keinen Vergleich! Zeit bleibt aber auch für diverse außerschulische Aktivitäten, für Sport, Musik, ehrenamtliche Tätigkeiten z.B. in Rettungsorganisationen, Vereinsleben usw. Deren Bedeutung für die soziale Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen, aber auch für unsere Gesellschaft insgesamt kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wenn Eltern berufstätig sind, bietet die Ganztagesbetreuung am Karlsgymnasium bei Mittelstufe Plus besondere Aktivitäten mit weiterer Förderung, sie muss sich nicht nahezu ausschließlich auf Hausaufgabenbetreuung beschränken. Verlassen die Schüler/innen nach neun Gymnasialjahren die Schule, sind sie wirklich reif, d.h. volljährig und können auch rechtlich auf eigenen Beinen stehen: z. B. müssen Einschreibeformulare an Universitäten, Ausbildungsverträge oder der Mietvertrag nicht von den Eltern unterzeichnet werden ...