Griechisch


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„Das ungeprüfte Leben ist für einen Menschen nicht lebenswert." (Sokrates)

 

Griechisch - für wen?


Die Wahl des Faches Griechisch ist grundsätzlich für alle Schülerinnen und Schüler möglich, die Latein als erste oder zweite Fremdsprache lernen. Wer von sich weiß, dass er lieber fremdsprachliche Texte genau bearbeitet, als sich selber schriftlich oder mündlich in der Fremdsprache zu äußern, für den ist Griechisch eine erwägenswerte Alternative. Wer darüber hinaus noch Interesse für die antike Welt und europäische Kultur, insbesondere für Geschichte, Kunst, Literatur und Philosophie sowie für deren Nachwirken bis in unsere Gegenwart hinein mitbringt, ist hier genau richtig.

 

Griechisch - was?


Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Gelehrt wird Altgriechisch, und Unterrichtssprache ist ausschließlich Deutsch. :-)
Im Griechischunterricht wird zwei Jahre lang mit dem Lehrbuch Kairos gearbeitet. Dessen Aufbau entspricht in den wesentlichen Aspekten der Konzeption, die man von gegenwärtig verwendeten Lehrwerken für das Lateinische kennt: Text- und Übungsteil vorne, Wortschatz und Grammatik hinten. Ganz wesentlich ist, dass von Anfang an neben der Sprache der Inhalt der Kapitel eine wichtige Rolle spielt. Kairos nimmt die Geographie zur Grundlage; ausgegangen wird von denjenigen Gebieten rund um das Mittelmeer, die durch die griechische Kultur nachhaltig geprägt wurden, neben Griechenland im engeren Sinn also z. B. auch Unteritalien und Sizilien oder die heute türkische Mittelmeerküste. Anknüpfend an diese Regionen werden geschichtliche Personen und Ereignisse, aber auch Mythen und heutige archäologische Stätten vorgestellt. So entsteht ein allmählich immer facettenreicheres Bild von griechischer Geschichte und Kultur.
Aufbauend auf diesen Grundlagen steht ab dem dritten Lernjahr die Lektüre von Originaltexten im Mittelpunkt. In der Jahrgangsstufe 10 sind dies Texte rund um die Gestalt des Sokrates, sowie Abschnitte aus dem Geschichtswerk Herodots und der Odyssee Homers. In der Qualifikationsphase kommen z. B. Passagen aus Homers Ilias, Werke der frühgriechischen Lyrik, philosophische Texte Platons und eine Tragödie des Sophokles hinzu. Der Lehrplan des Faches, aufgeschlüsselt nach Jahrgangsstufen, kann hier eingesehen werden:


Lehrplan Griechisch (dort dann unter Ebene 3, 8. bis 12. Klasse).

 

Griechisch - furchtbar schwer?


Oft wird gefragt, wie groß die Schwierigkeiten sind, die durch das griechische Alphabet entstehen. Alle Erfahrungen zeigen, dass die abweichende Schrift keine wesentlichen Probleme bereitet; nach ca. acht bis 10 Tagen haben die Schülerinnen und Schüler das Lesen im Griff (und auch das Schreiben einzelner Formen - übersetzt wird ja ohnehin nur aus dem Griechischen ins Deutsche). Man spricht das Griechische so aus, wie man es schreibt.

Ansonsten gilt, was auch für das Erlernen anderer Fremdsprachen zutrifft: Wer von Anfang an und kontinuierlich von Stunde zu Stunde mit lernt, lässt größere Lücken erst gar nicht entstehen und muss sich dann auch nicht anstrengen, sie mühsam wieder zu schließen.

 

Griechisch - wozu?


Es wird oft gesagt, eine so genannte tote Sprache zu lernen, sei völlig nutzlos (noch dazu eine zweite solche Sprache nach Latein). Dem ist entgegen zu halten, dass Griechisch zwar nur noch in Form des Neugriechischen gesprochen wird, dass griechisches Vokabular und Gedankengut auch in unserer Gegenwart jedoch überaus lebendig und selbst im Alltag auf Schritt und Tritt anzutreffen ist. Die nachfolgenden Beispiele sollen das verdeutlichen.
Griechisch leistet in mehrerlei Hinsicht etwas für den Umgang mit Sprache:


- Zahlreiche Fremd- und Lehnwörter kommen aus dem Griechischen, ebenso die Fachausdrücke in zahlreichen wissenschaftlichen Fachsprachen: Biologie, Geographie, Physik, Katalysator, Gentechnik, Chirurg, Therapie, Gymnasium - die Reihe ließe sich beliebig fortstzen. Wer Griechisch gelernt hat, kann sich die Bedeutungen leicht erschließen und sich diese Begriffe auch viel leichter einprägen, weil er sie nicht einfach auswendig lernen muss, ohne ihren Inhalt zu verstehen.


- Beim genauen Arbeiten an griechischen Texten kann man das Funktionieren der fremden Sprache, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Vergleich zur eigenen Muttersprache und anderen Fremdsprachen wahrnehmen und dabei auch die eigene Sprachkompetenz schulen. Manche Schülerinnen und Schüler sagen von sich, dass sie durch das Lernen von Griechisch auch manche verwandten Grammatikerscheinungen und Konstruktionen im Lateinischen viel besser verstünden.


- Auch Neugriechisch lässt sich auf der Basis von Altgriechisch wesentlich leichter erlernen; im Unterricht wird immer wieder einmal ein Seitenblick auf das heute gesprochene Griechisch geworfen. Auch wenn sich die Aussprache grundlegend verändert hat - die Schrift ist dieselbe geblieben, die Stämme vieler Wörter lassen sich mühelos auf das Altgriechische zurückführen.

 

Vor allem aber ist Griechisch ein ausgesprochenes Kulturfach - die europäische Kultur, so wie wir sie heute kennen, wäre ohne das antike Griechenland überhaupt nicht vorstellbar. Und so bedeutet Griechisch Lernen vor allem eine vertiefte Allgemeinbildung und einen fundierten Überblick über die eigene kulturelle Tradition:


- Im Bereich der Literatur finden sich die Anfänge der Heldengedichte (Epik), der Dichtung (Lyrik), der Geschichtsschreibung und des Theaters (Drama) bei den Griechen. Vieles davon kennen manche von den Römern her - aber auch die lateinische Literatur steht in den allermeisten Gattungen ganz klar in der Tradition der griechischen Vorbilder.


- Die Originalsprache des Neuen Testaments ist Griechisch, und weil es ein eher einfaches Griechisch ist, können einzelne Texte bei geeigneter Gelegenheit schon ab dem zweiten Lernjahr übersetzt werden.


- Bei der Betrachtung von Bauwerken und bildender Kunst lässt sich besonders anschaulich nachvollziehen, wie griechische Vorbilder z. B. in der Tempelarchitektur und Skulptur manchmal über Jahrtausende hinweg wirkten und vielfach andernorts auf unserem Kontinent Nachahmung gefunden haben.


- Auch was die Mathematik, die Naturwissenschaften und die Medizin betrifft, gibt es im alten Griechenland einiges zu entdecken. Der Satz des Pythagoras und der Thaleskreis (auch wenn dieser wahrscheinlich gar nicht von Thales selbst stammt) sind prominente Beispiele. Aber auch die Atomtheorie, derzufolge alles aus kleinsten und unteilbaren Teilchen bestehe, begegnet zum ersten Mal bei den Griechen. Und dass der Arzt stets zum Wohl des Patienten handeln muss und der Schweigepflicht unterliegt, steht so schon im Eid des Hippokrates aus dem fünften Jahrhundert vor Christus.


- Was die Theorie und Praxis (schon wieder zwei griechische Wörter!) der Politik (ebenfalls griechisch) angeht, hat man sich in Griechenland schon früh viele Gedanken gemacht und unterschiedliche Staatsformen selbst erprobt. Die Fachbegriffe Monarchie, Aristokratie und Demokratie sind nicht zufällig griechischen Ursprungs, und ein Vergleich unserer modernen Demokratie mit diesen antiken Staatsformen fördert eine Fülle interessanter Aspekte zu Tage.


- Der Philosophie schließlich sieht man es schon an ihrem zweimaligen ph an: Auch sie kommt, zumindest für unseren westlich-abendländischen Bereich, aus Griechenland. Dabei geht es nicht nur im Sinne des zuletzt genannten Punktes um politische Philosophie, um die Frage, wie Staaten idealerweise organisiert sein sollten. Sondern es geht auch um die Lebensführung des Einzelnen, um das „Erkenne dich selbst!", um die Frage nach dem richtigen und guten Leben. „Ein ungeprüftes Leben ist für den Menschen nicht lebenswert", meinte Sokrates, und hörte nicht auf, sowohl sich selbst, aber auch die anderen und ihre Ansichten rastlos auf den Prüfstand zu stellen.

 

Fazit:


Auch wenn das Graecum (zu erwerben erstmals am Ende der Jahrgangsstufe 10) für manche Universitätsstudiengänge (immer noch) erforderlich ist: Man muss nicht Archäologe, Pfarrer, Philosoph, Latein- oder Griechischlehrer werden (wollen), um etwas von dem Fach zu haben. Viele prominente und in ganz anderen Berufsfeldern erfolgreiche Menschen in unserer Gesellschaft haben Griechisch gelernt und halten das auch rückblickend für einen großen Gewinn. Aber selbst wenn man nicht so hoch greift und sich einfach an die kleinen internen Umfragen unter Schülern und Schülerinnen nach drei bzw. fünf Jahren Griechischunterricht hält, ergibt sich dasselbe Bild: Die Zustimmung ist sehr groß, und die Jugendlichen haben den Eindruck, dass sie etwas Interessantes und für sie selbst Wichtiges gelernt haben.
Übrigens - der Titel des Lehrwerks Kairos ist zugleich auch Programm. Er bedeutet: rechter Augenblick, Gelegenheit, die man beim Schopf ergreift. Die Möglichkeit, Griechisch zu lernen, kommt so leicht nämlich nicht wieder. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, diese Sprache zu lernen, sollte das am besten jetzt in der Schule tun und es nicht auf eine ferne Zukunft verschieben.

 

Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um das Fach Griechisch ist Frau Bejenke.