Schüler des Karlsgymnasiums auf den Spuren der Römer

Karlsgymnasiasten bei archäologischer Lehrgrabung der Universität Salzburg

 

Karlsgymnasiasten bei archäologischer Lehrgrabung der Universität Salzburg

 

Dieses Jahr hatten elf Schüler aus den Klassen 10 und 11 des Karlsgymnasiums die Möglichkeit, für drei Tage an archäologischen Ausgrabungen in Pfongau bei Neumarkt am Wallersee teilzunehmen. Unter Begleitung von Frau Mayer und Herrn Zellermayer und unter der Obhut Dr. Raimund Kastlers, des Landesarchäologen am Salzburgmuseum, lernten die Schüler zusammen mit Studenten der klassischen Archäologie nicht nur mehr über die römische Geschichte, sondern erhielten auch sehr interessante Einblicke in die Arbeitsweise der Archäologen bei der Freilegung einer römischen Villa rustica, also eines landwirtschaftlichen Einzelgehöfts bestehend aus Wohn- und Wirtschaftsbauten. Eine kurze Schilderung eines interessierten Schülers soll dies verdeutlichen:

 

„Nach unserer üblichen Morgenroutine kamen wir nach einer 10-minütigen Autofahrt bei der Ausgrabungsstätte an. Zunächst wurden wir zu dem geschichtlichen Hintergrund des Ausgrabungsareals und zur Absicht der Grabungen informiert. Ebenso zeigte man uns die entsprechende 'geomagnetische Prospektion', die die magnetische Strahlung dieses Areals abbildet. In dieser in verschiedenen Graustufen abgestuften Karte konnte man von Menschen gemachte Strukturen in tieferen Erdschichten nachvollziehen und dann den entsprechenden Grabungsplan für die nächsten Tage adaptieren.

 

Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung wurden wir auch schon in die ersten Arbeiten eingewiesen. Aufgrund eines Unwetters in der Nacht zuvor war das Gebiet, das unserem Team zugeteilt wurde, leider zunächst überschwemmt, so dass wir es erst trockenlegen mussten. Dies dauerte aber nur kurz, und so konnten wir auch bald schon loslegen. Obwohl die Vorgaben der geomagnetischen Prospektion sehr präzise waren, gingen wir zunächst äußerst behutsam vor, indem wir zuerst die oberste Erdschicht vorsichtig abkratzten, um die darunterliegenden Verfärbungen der Erde freizulegen. (Abbildung 1) Wir achteten insbesondere auf schwarze Verfärbungen, die sich in unserer Karte nicht eindeutig abzeichneten. Anschließend begannen wir, uns Schicht für Schicht vorzuarbeiten, bis sich schließlich der gewachsene Boden zeigte. Genauso gingen wir in den zwei darauffolgenden Tagen vor.

 

Während dieser Grabungsarbeiten wurde uns eigentlich nie langweilig, da wir immer wieder auf interessante Funde stießen. Ich selbst grub mit einem anderen Schüler und einem Studenten im Bereich einer recht auffälligen Holzkohleschicht, in der sich zusätzlich eine Lage aus Ziegeln befand. (Abbildung 2) Nach Rücksprache mit dem Experten vor Ort hielt er diesen Bereich der Grabung für einen Ofen aus der Römerzeit.

 

Die Maße unserer Grabungslöcher wurden mit einem elektronischen Tachymeter genauestens bestimmt. Gemeinsam mit den Studenten und Archäologen füllten wir Dokumente über die verschiedenen Bodenbeschaffenheiten aus und trugen die entsprechenden Messwerte unserer Grabungsareale ein. Technisch auf dem neusten Stand kam sogar eine Drohne zu Fotodokumentationszwecken für das ganze Areal zum Einsatz. Zu unserer Begeisterung durften wir diese ebenso wie den Tachymeter sogar manchmal selbst bedienen.

 

Unsere Messungen wiederholten wir Schicht für Schicht. Dabei fanden wir gelegentlich Tonscherben und Ziegelstücke und an anderen Orten grub man sogar Tierknochen aus. Einen Höhepunkt der Grabungsarbeiten stellte in diesen Tagen ein Objekt dar, das Herr Dr. Kastler für ein prähistorisches Grab aus der späten Eisenzeit hielt. (Abbildung 3)

 

Wir hielten uns von 8 bis 16 Uhr bei den Ausgrabungen auf. Dank der dreimal täglich angesetzten Pausen hatten wir immer wieder die Gelegenheit, uns von der Arbeit zu erholen. Die Archäologen vor Ort waren alle sehr nett, indem sie uns stets alle Fragen beantworteten und uns immer hilfsbereit zur Seite standen. Einmal nahm uns sogar Dr. Felix Lang mit zu einem durch Erdabtragung entstandenen Hügel und zeigte uns dabei auch das Gebiet, auf dem in den Jahren zuvor gegraben wurde und informierte uns ausführlich über die Lebensweise der Römer im Salzburger Flachgau und Rupertiwinkel. Ein anderes Mal stellte er uns dar, wie die Einmessung von Punkten im vordigitalen Zeitalter bei Ausgrabungen durchgeführt wurde. (Abbildung 4)

 

Nach unseren Ausgrabungsarbeiten wurde es bei einem gemeinsamen Abendessen an unserem Zeltplatz abends immer sehr gemütlich und wir hatten sogar die Gelegenheit, Volleyball zu spielen, um uns dann im nahegelegenen Wallersee abzufrischen.

Obwohl wir leider bedingt durch eine Viruserkrankung, die einen großen Teil der Mitschüler außer Gefecht setzte, diesen interessanten Ausflug verfrüht abbrechen mussten, haben wir nicht nur interessante Einblicke in die Arbeit der Archäologen bekommen, sondern es hat uns allen auch sehr viel Spaß gemacht.“

 

Von Sebastian Leipfinger, Q 11

Fotos Jakob Ziegler, Q 11